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Körper & Geist


Gedächtnis: Merkhilfen für Vergessliche


Schon wieder den Hochzeitstag vergessen oder ohne Milch vom Einkauf nach Hause gekommen? Mit Merkhilfen und speziellen Techniken erinnern Sie sich vielleicht besser.

Gedächtnistraining

Vergesslich? Mit Tricks helfen Sie Ihrem Gedächtnis eventuell auf die Sprünge


Schnapszahldaten sind als Hochzeittermine sehr begehrt – Standesämter berichteten von einem regelrechten Ansturm auf Tage wie den 11.11.2011. Positiver Begleiteffekt: Das Paar kann sich seinen Hochzeitstag leicht merken. Doch seit dem 12.12.2012 ist damit erst einmal Schluss, den 13.13.2013 gibt es bekanntlich nicht. Eine Eselbrücke weniger, die beim Erinnern hilft. Dabei ist unser Gedächtnis sowieso stark gefordert.

"Wir müssen uns heute viel mehr Informationen merken als vor 30 Jahren", urteilt der Gedächtnisforscher Professor Hans Markowitsch. "Ob man sich dadurch überfordert fühlt, hängt aber zumindest teilweise von einem selbst ab." Jemand müsse beispielsweise nicht ständig erreichbar sein und sich um alle Nachrichten kümmern. Außerdem brauche ein Mensch nicht alles im Kopf haben – vieles lasse sich bei Bedarf im Internet nachsehen. Und wer seinen Hochzeitstag nicht vergessen will, der kann sich auch erinnern lassen, etwa indem er einen Hinweiszettel an die oft benutzte Kühlschranktür pappt. Wichtig ist nur, dass solche Notizen einen festen Platz haben.


Merkhilfen für den Alltag

Eine bewährte Methode ist es, Termine in einen Taschen- oder Wandkalender einzutragen. Sie können aber auch einen Pultordner benutzen und Notizen oder Fotos mit dem genauen Datum ablegen, dann brauchen Sie nicht jedes Jahr alle Termine umtragen. Allerdings müssen Sie regelmäßig nachschauen, sonst nützen diese Merkhilfen nichts.

Moderne Techniken ersparen Ihnen dies. So können Sie sich von Ihrem Mobiltelefon an ein wichtiges Datum erinnern lassen. Für Smartphones gibt es zahlreiche Apps, mit denen Sie Termine verwalten oder einfach Informationen speichern können. Dann brauchen Sie das Handy nur noch dabeizuhaben, damit es Sie auf den Termin aufmerksam machen kann. Der sicherste Schutz für sensible Informationen wie Passwörter oder PINs: Merken Sie sich diese Daten. Dafür gibt es Tricks:


Von Gedächtnismeistern lernen

Wann sank die Titanic? Wann wurde Willy Brandt deutscher Bundeskanzler? Vieles von dem, was andere Menschen im Lexikon nachschlagen müssen, hat Johannes Mallow im Kopf. Der Magdeburger ist Anfang 30, mehrmaliger Deutscher Gedächtnismeister und sogar Gedächtnisweltmeister 2012. Bei einer Meisterschaft wurden ihm Bilder von historischen Ereignissen mit den entsprechenden Daten gezeigt – anschließend konnte Mallow 132 Paare in fünf Minuten richtig wiedergeben. "Besonders gut merkt man sich Dinge, die einen besonders interessieren und wenn Spaß im Spiel ist", verrät der Denksportler.

"Schwach bin ich im Merken von Namen und Gesichtern", gesteht Mallow. Um sie besser zu behalten, benutzt er eine spezielle Technik – er malt sich Namen bildlich aus. "Andreas stelle ich mir zum Beispiel mit einem Andreaskreuz auf dem Kopf vor. Bei Anja sehe ich eine Elektrikerin vor mir und frage sie: 'Ist das Licht an?' 'Ja', sagt sie dann!" Am besten funktioniere diese Technik, wenn man sich verrückte Geschichten ausdenke.


Dinge mit Orten verknüpfen

Eine bewährte Merkmethode ist die Loci-Technik, die Mallow ebenfalls anwendet. Bei dieser geht es darum, Dinge mit Orten zu assoziieren. "Um mir eine Einkaufsliste einzuprägen, gehe ich in Gedanken durch meine Wohnung und stelle mir die Sachen in den einzelnen Zimmern vor. Eier schmeiße ich zum Beispiel an die Tür. Brot lege ich ins Regal. Auf Bananenschalen rutsche ich aus und fliege aufs Sofa." Auch hier gilt: Umso origineller die Geschichte, desto besser behält man sie. Dabei muss es nicht immer der Weg durch eine Wohnung sein, der als Gedankenstütze dient. Andere Alternativen: eine Straße, der Arbeitsplatz, der eigene Körper.

Die Loci-Methode eignet sich übrigens auch, um sich den Inhalt eines Fachbuchs einzuprägen. Dazu empfiehlt Mallow, sich Stichpunkte zu merken und sie mit der Loci-Methode zu einer Geschichte zu verknüpfen.


Absurde Geschichten erfinden

Eine weitere Möglichkeit, um sich eine Einkaufsliste zu merken, ist das Verknüpfen der Wörter zu einer Ketten-Geschichte, die Sie später im Supermarkt wie einen Videofilm vor Ihrem geistigen Auge ablaufen lassen können. Stehen zum Beispiel Zahnpasta, Milch, Zeitung und Müllbeutel auf der Einkaufsliste, könnte die Geschichte so aussehen: Sie drücken die Zahnpasta in ein Glas mit Milch. Mit der Zeitung saugen Sie die Milch aus dem Glas und werfen die Zeitung anschließend in den Mülleimer.


Zahlen merken mit Symbolen

Zum Merken von Zahlenreihen wie bei einer Kontonummer oder dem Hochzeitstag hilft es, sich ein Symbolsystem anzueignen. Ein Bleistift könnte zum Beispiel für die Ziffer 1 stehen, ein Schwan für die 2, eine Schlange für die 6. Zunächst müssen Sie die Zahlen in Bildsymbole übersetzen, dann verknüpfen Sie die Bilder zu einer ungewöhnlichen Geschichte. Beispiel: Besitzt die Arbeitskollegin die Durchwahl 2560 könnte die Geschichte so ablaufen: Sie sehen das Gesicht der Kollegin. Ein Schwan (2) auf ihrem Schreibtisch blickt sie an. Sie streichelt ihn mit ihrer Hand (5). Plötzlich kriecht eine Schlange aus dem Gefieder (6) und vor lauter Überraschung legt die Arbeitskollegin ein Ei (0). Übrigens: Das System aus Zahlensymbolen lässt sich auch einsetzen, um sich eine Aufgabenliste einzuprägen. Sie müssen bloß jede Nummer auf der Liste mit einer Aufgabe verknüpfen und dann daraus eine Geschichte entwickeln.


Gedächtnistraining im Alltag

Anstelle von Extra-Übungen lässt sich Gedächtnistraining aber auch in den Alltag einbauen. Sie können zum Beispiel morgens Zeitung lesen oder Radio hören und nachmittags versuchen, sich an so viele Themen und Namen wie möglich zu erinnern. Auch wer jeden Abend aufschreibt, was er erlebt hat, trainiert damit sein Gedächtnis. Ganz wichtig ist es, Monotonie zu vermeiden und sich immer wieder mit Unbekanntem zu konfrontieren.

Manche Fachleute raten sogar, mindestens alle zehn Jahre etwas Neues zu lernen – eine Sprache, ein Instrument, eine Sportart oder irgendeine Fähigkeit. Dies sei mindestens so effektiv wie elektronische Gehirnjogging-Programme, um die geistige Leistung zu verbessern, urteilt Professor Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Er bemängelt, dass Gehirnjogging-Programme nur eine bestimmte Fertigkeit – etwa Zahlenreihen schneller vergleichen – trainieren und nicht auf andere Aufgaben übertragbar seien. Dieses Manko bestätigte eine große britische Untersuchung im Jahr 2010.


Erste Erfolge nach wenigen Wochen

Wer sein Gedächtnis jedoch auf abwechslungsreiche und fantasievolle Art regelmäßig trainiert, kann meist nach relativ kurzer Zeit Erfolge verzeichnen. Mallow, der an Volkshochschulen (VHS) Gedächtnistraining unterrichtet, berichtet: "In meinen VHS-Kursen können sich die Teilnehmer schon nach sechs Wochen viel mehr merken und zum Beispiel 30 Wörter in der richtigen Reihenfolge wiedergeben." Mallow selbst trainiert täglich eine viertel bis halbe Stunde, indem er sich zum Beispiel eine Liste mit Wörtern oder mit Zahlen einprägt. Gedächtnistraining führe zwar nicht dazu, dass man schneller denke. "Aber das Erfinden von skurrilen Geschichten macht kreativer", sagt der Gedächtnisweltmeister.


Quelle: Martina Janning / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 27.11.2014,erstellt am 29.11.2012 Bildmotiv: © DURIS Guillaume - Fotolia.com