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Inhalt

Themengebiet
Körper & Geist


Frühjahrsputz für die Seele


Frühling! Millionen Haushalte werden jetzt grundgereinigt, entrümpelt und aufgehübscht. Doch nicht nur das Haus profitiert vom Frühjahrsputz, auch die Seele braucht den Kehraus.

Die Sonne wärmt, die Luft duftet, Knospen sprießen, endlich leuchten die Farben wieder. „Es ist eine Atmosphäre des Aufbruchs“, sagt Dr. Udo Baer, Psychotherapeut aus Nordrhein-Westfalen. „In der dunklen Jahreszeit hat nicht nur der Körper, sondern auch unsere Seele gewissermaßen Speck angesetzt. Wir haben uns zurückgezogen und eingeigelt. Jetzt kommen wir wieder in Bewegung.“


Der Frühling weckt die Lebensgeister

Die hellen Tage wecken unsere Lebensgeister. Dafür sorgt nach Erkenntnis der Wissenschaftler unter anderem die körpereigene „Apotheke“: Tageslicht regt die Produktion des als stimmungsaufhellend geltenden Hormons Serotonin an. Gleichzeitig sinkt der Spiegel des Schlafhormons Melatonin, das uns in den dunklen Wochen müde und gelegentlich auch missmutig machte. Warum aber wird die frisch gewonnene Energie ausgerechnet in Putz- und Aufräumaktionen investiert? Das Bedürfnis, die Behausung einer Runderneuerung zu unterziehen, reicht offenbar weit zurück. Schon die Kelten hatten ihre Hütten im Frühjahr besonders gründlich gereinigt. Schmutz galt – und gilt in einigen Kulturen noch immer – als Versteck von Dämonen und Ursache für allerlei Unglück.


Frühjahrsputz als Zeichen der Erneuerung

Der Frühjahrsputz ist das äußere Zeichen der Erneuerung. „Bevor man etwas Neues starten kann, muss man das Alte loslassen“, sagt Dr. Baer. „Dafür ist es notwendig, innezuhalten und eine Pause für die Achtsamkeit einzulegen.“ Wo stehe ich? Was brauche ich? Auf was kann und will ich fortan verzichten? Fast alle Kulturen und Religionen haben sich dafür eine innere Reinigung verordnet, mit Fasten-, Reinigungs- und Verzichtritualen. „Das Fasten ist die Speise der Seele. Wie die körperliche Speise stärkt, so macht das Fasten die Seele kräftiger und verschafft ihr bewegliche Flügel, hebt sie empor und lässt sie über himmlische Dinge nachdenken“, schrieb im vierten Jahrhundert der griechische Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus.


Klarschiff machen: Entrümpeln fällt vielen Menschen schwer

Innehalten bringt Ordnung in die Gedanken und macht Klarschiff im Kopf. Es hilft, die Schwerpunkte des Lebens neu zu justieren, Überflüssiges zu erkennen und auszusortieren. Doch egal ob Haushalt, Kleiderschrank oder Gewohnheiten: Entrümpeln fällt vielen Menschen schwer. Die angestoßenen Becher wegwerfen, obwohl sie so viele schöne Reisen im Wohnmobil überstanden haben? Die teuren Blusen mit dem vorvergangenen Chic weggeben, auch wenn sie noch keinerlei Spuren der Abnutzung zeigen? Die erst zur Hälfte gelesenen Fachzeitschriften einfach ins Altpapier geben – oder ist das der Beginn einer Bildungslücke?


Aufräumen erfordert Intelligenz

Mut zur Lücke ist jedenfalls unverzichtbar, wenn man gründlich aufräumen will. Aufräumen wiederum erfordert große intellektuelle Anstrengung, wie die italienische Wissenschaftlerin Carla Pasquinelli schon vor längerer Zeit in einer Studie belegte. Die Professorin für Anthropologie der Universität Cagliari stellte fest, dass beim Aufräumen einer mittelgroßen Wohnung in nur 30 Minuten bis zu 3000 Fragen beantwortet und Entscheidungen getroffen werden müssen. Nur ein Beispiel: Soll die grüne Winterjacke wieder in den Keller? Obwohl sie mir nicht wirklich steht? Sie ist doch noch in Ordnung. Will ich mich trotzdem davon trennen? Was denkt dann mein Mann, der mir das teure Stück vor fünf Jahren geschenkt hatte? Wer könnte sie gebrauchen? Verkaufe oder spende ich? Sollte die Jacke vorher gereinigt werden? Wann kümmere ich mich um eine neue Jacke? Wie viel Zeit und Geld bin ich bereit zu investieren und so weiter. Aufräumen erfordere weit mehr Intelligenz als das Schreiben einer Doktorarbeit, betont die Forscherin.


Äußeres Ausmisten und inneres Aufräumen

„Jedes äußere ‚Ausmisten‘ ist immer auch ein inneres Aufräumen“, sagt Dr. Udo Baer. Es bedeute, Abschied zu nehmen: von einem einst begehrten Gegenstand, einer Gewohnheit, einem Stück Vergangenheit. Trennung tut weh, aber sie bringt Entlastung und schafft Platz für etwas Neues, das wichtiger ist. Frühjahrsputz für die Seele heißt auch, dass man sich seine Freundschaften und geselligen Kontakte genauer anschaut: Was geben wir uns gegenseitig? Wie viel haben wir uns noch zu sagen? Wie wichtig ist mir eigentlich diese Beziehung? Zu welchen Konsequenzen bin ich bereit? Das Sortieren der Gedanken macht den Wert mancher Beziehung erst wieder richtig bewusst: Dieser Mensch gibt mir so viel. Wenn wir miteinander reden, bringt mich das weiter. Ich möchte ihn öfter sehen. Das schreibe ich ihm per E-Mail – heute noch.


Gute Vorsätze: Frühling ist die Phase der Umsetzung

Der Jahresbeginn ist die Zeit der vielen guten Vorsätze – die so oft ohne praktische Folgen bleiben. Der Frühling ist die Phase der Umsetzung: Wer sich im Juni ohne die Speckpolster des Winters präsentieren möchte, kommt in Zugzwang. Wann, wenn nicht jetzt, stellt er auf ausgewogene Ernährung und geringere Kalorienzufuhr um und bringt seine Muskeln in Bewegung? Wer einen Garten hat, wird den Rasen jetzt vorbereiten und düngen oder neu aussäen, damit er im Sommer nicht nur Löwenzahn und Moos unter den Füßen hat. Sport, Küchenputz und Gartenarbeit haben zudem einen wichtigen therapeutischen Nebeneffekt, wie zahlreiche Studien belegen: Sie können antidepressiv wirken. Dr. Udo Baer: „Mit dem Frühjahrsputz mache ich mein Zuhause schöner. Vor allem aber mache ich es mir schöner.“


Aktionsplan für den Frühjahrsputz

Diese To-do-Listen können Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Pläne und Wünsche helfen:

Aktionsliste

Auf diese Liste setzen Sie Ihre geplanten praktischen Tätigkeiten für den Frühjahrsputz – inklusive Terminangabe, einem freien Feld für Anmerkungen und einem Feld, in das Sie einen dicken „Erledigt“-Haken setzen können. Denken Sie daran, die Aktivitäten in ihre vielen Einzelschritte zu zerlegen. Also nicht einfach nur „Gartenarbeit“, sondern: Apfelbaum beschneiden, die Beete am Zaun putzen...  Kleine Schritte ermutigen zum Anfangen und liefern Erfolgserlebnisse, die zum Weitermachen motivieren.

Wunschliste

Erstellen Sie eine Liste der Dinge, die Ihrer Seele gut tun könnten: zum Beispiel den Kontakt zur Schwester wieder aufnehmen und damit einen Vorstoß machen, um den schwelenden Konflikt zu beenden. Oder zur Schnupperstunde des Stadtchors gehen, weil  das Singen Ihnen so viel gibt. Notieren Sie Träume und Pläne, die Sie schon seit Langem in Angriff nehmen wollten: „Unsere Wünsche sind die Vorboten der Fähigkeiten, die in uns liegen“, hat Goethe gesagt. Doch nur wer Klarheit über die eigenen Wünsche hat, kann auch die Voraussetzungen schaffen, um sie zu erfüllen.

Entrümpelungsliste

Saubermachen im seelischen Haus heißt, sich klar zu werden über Gewohnheiten und Dinge, die unzufrieden machen. Schreiben Sie auf, was Sie am liebsten ausmisten möchten: die allabendliche Zeitvernichtung vor dem Fernseher; Ihr Beharren auf Standpunkten, welches immer wieder Anlass zu Streit gibt; zerstörerische Glaubenssätze wie „Das kann ich nicht.“ Lassen Sie bei jedem Thema ausreichend Platz für mögliche Alternativen. Probieren Sie diese aus, notieren Sie die Erfolge. Schlechte Gewohnheiten lassen sich nicht immer gleich von heute auf morgen entrümpeln. Seien Sie also mit sich selbst geduldig!


Quelle: Ingrid Kupczik | Apotheken Umschau | 26.03.2014