Unsere Adresse

TCP APOTHEKEN OHG | Apotheker: T. Schröder / C. Albrecht

Innere Zwickauer Str. 106 | 08062 Zwickau | Service-Hotline 08 00-7 85 25 81



Inhalt

Themengebiet
Gesund leben


Solarium: Warum der Besuch schädlich ist


Millionen Deutsche bräunen sich in Solarien. Doch jedes Bad auf der Sonnenbank erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Knackige Bräune ist für viele Menschen gleichbedeutend mit Urlaub, Luxus und Wohlbefinden. Laut Sun-Study 2012 strömen jedes Jahr knapp fünf Millionen Deutsche in Solarien, die meisten davon sind Frauen. Doch jedes Sonnenbad steigert das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

„Je häufiger man ein Solarium besucht, desto schädlicher ist es“, warnt der dermatologische Onkologe Dr. Thomas Eigentler von der Universität Tübingen und Sprecher des „Vereins zur Bekämpfung von Hautkrebs“.


Hautkrebsrisiko steigt um rund 20 Prozent

Wie eine 2012 erschienene Untersuchung des französischen Forschers Dr. Mathieu Boniol zeigt, steigt das Risiko für Hautkrebs bei Solariumnutzern – und dazu zählt jeder, der schon einmal auf der Sonnenbank war – um rund 20 Prozent. Boniol und sein Team hatten 27 Studien zum Thema neu ausgewertet und konnten ihre Schlüsse aus einer entsprechend großen Datenmenge ziehen.

„Wer einmal in der Woche ins Solarium geht, hat schon nach einem Jahr sein Krebsrisiko verdoppelt“, warnt Dr. Rüdiger Greinert, Forscher der „Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V.“ und Biophysiker am Dermatologischen Zentrum Buxtehude. „Die meisten regelmäßigen Solariumsbesucher nutzen es ein bis zwei Mal pro Woche.“ Ein gefährlicher Trend, warnt auch die Deutsche Krebshilfe in ihrem Ratgeber „Ins rechte Licht gerückt – Krebsrisikofaktor Solarium“. Darin heißt es: „Wer bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig Solarien nutzt, verdoppelt sein Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken.“


Hautkrebs ist häufig

Jährlich erkranken ungefähr 28.000 Deutsche an schwarzem Hautkrebs. Zusammen mit dem „hellen Hautkrebs“ (Basalzell- und Stachelzellkrebs) ist Hautkrebs inzwischen die häufigste Krebsart in Deutschland, warnt die Deutsche Krebshilfe. „Jedes Jahr erkranken in Deutschland 234.000 Menschen neu daran“, sagt Greinert. UV-Strahlung gilt als der wichtigste Risikofaktor für Hautkrebs.


Warum Vorbräunen nichts bringt

Bräune entsteht durch die langwelligere UV-A- und kurzwelligere UV-B-Strahlung – vor allem Letztere kann die Haut auch verbrennen. UV-B Licht regt in der Haut die Pigmentzellen (Melanozyten) dazu an, mehr Melanin zu bilden: Die Haut wird braun. Dies dient zwar dem Schutz unserer empfindlichen Hülle. Der Lichtschutzfaktor durch Bräune sei aber zu vernachlässigen. "Er liegt etwa bei zwei bis vier“, sagt Greinert. „Vorbräunen bringt also überhaupt nichts“, warnt daher auch Dermatologe Eigentler.

Die ultraviolette Strahlung dringt zudem in die Zellen ein und kann dort das Erbgut beschädigen. Dem entgegen wirken körpereigene Reparaturmechanismen: Sie bessern beschädigte Stellen im Erbgut quasi aus. Doch ihre Kapazität ist beschränkt. „Bei einer Strahlendosis, bei der man Sonnenbrand bekommt, erleidet jede einzelne Hautzelle etwa 100.000 Schädigungen an der DNS“, erklärt Greinert. Bei so vielen Baustellen können nicht alle Defekte repariert werden. „Diese Schäden können zu Mutationen führen und im schlechtesten Fall zu Hautkrebs“, erläutert Greinert.


Die Haut vergisst nichts

Sonnenbrand ist zwar eine unangenehme Folge von deutlich zu viel UV-Strahlung, aber weitaus nicht immer die einzige: „Die Strahlung beschädigt die Stammzellen in der Haut“, sagt Greinert. Sie produzieren neue Hautzellen und werden nicht regelmäßig ausgetauscht. Erleiden sie entsprechende Strahlungsschäden, kann unter Umständen Hautkrebs entstehen. „Es gibt somit keine Strahlung, die unproblematisch ist und auch keine gesunde Bräune“, betont Eigentler. Im Solarium darf zwar die maximale Bestrahlungsstärke von 0,3 Watt pro Quadratmeter Haut nicht überschritten werden – aber dieser Wert ist sehr hoch. „Das ist etwa die Dosis, die man mittags bei wolkenlosem Himmel am Äquator abbekommen würde“, erklärt Greinert.


Solarium ist für Jugendliche besonders gefährlich

Für Heranwachsende sind Sonne und Solarium besonders gefährlich. Daher gilt seit 2009 ein Solariumsverbot für Kinder und Jugendliche. „Die Schädigungen am Erbgut summieren sich. Je früher im Leben diese Schädigungen beginnen, desto früher kann Krebs entstehen“, erklärt Greinert. Das macht sich bereis in der Statistik bemerkbar. Hautkrebs, der eigentlich häufiger bei älteren Menschen auftritt, trifft auch immer mehr Jüngere: „Inzwischen gibt es vermehrt Fälle an schwarzem Hautkrebs bei 30- bis 40-Jährigen“, sagt Greinert.


Phototherapie: Nur beim Arzt auf die Sonnenbank

Wer wegen eines medizinischen Leidens auf die Sonnenbank muss, sollte dies nur in einer Arztpraxis tun, rät Eigentler. Beispielsweise bei Schuppenflechte oder Neurodermitis verschreiben Ärzte unter Umständen eine Phototherapie. Der verordnende Arzt wägt dabei mit dem Patienten Nutzen und Risiko der UV-Strahlung ab. Die Gesamtdosis sollte dabei im Blick behalten werden.


Vitamin D: Natürliches Licht reicht normalerweise aus

UV-Licht regt die Bildung von Vitamin D im Körper an. Aber auch das ist kein Grund, ins Solarium zu gehen. Natürliches Licht genügt hier in der Regel. „Selbst wenn der Himmel bewölkt ist, reichen den meisten 15 bis 20 Minuten an der frischen Luft, um genug Sonne abzubekommen“, sagt Eigentler. Zwischen zehn und 20 Prozent seines Bedarfs an Vitamin D deckt der Mensch zudem über die Ernährung, das Vitamin steckt zum Beispiel in fetten Fischsorten. „Es gibt keine Notwendigkeit, in ein Solarium zu gehen“, sagt Greinert. Bei einem diagnostiziertem Vitamin D-Mangel gibt es zudem entsprechende Präparate zur Einnahme. Diese sollte man jedoch nur nach Rücksprache mit dem Arzt schlucken.


Gebräunte Haut altert schneller

Wer der Schönheit wegen ins Solarium geht, sollte bedenken: „Gebräunte Haut altert schneller“, so Dermatologe Eigentler. Die UV-Strahlung greift die elastischen Fasern in der Haut an: Sie erschlaffen und dadurch entstehen Falten, erklärt er. „Patientinnen, die ein bis zwei Mal in der Woche ins Solarium gehen, sehen oft schon mit 30 deutlich älter aus.“


Quelle: Bettina Dobe | Apotheken Umschau | 27.03.2014