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Gesund Leben


Neue Regeln für Namen von Medikamenten


Arzneimittelschützer haben eine neue Leitlinie zur Bezeichnung von Medikamenten herausgegeben. Sie soll Verbraucher davor schützen, Präparate zu verwechseln oder falsch anzuwenden.

In Zukunft klarer bennannt: Pillen & Co.

Pillen sollen „super“ oder „express“ sein. Manche Arzneimittel-Aufmachungen kommen daher wie Bonbonverpackungen. Und bei Bezeichnungen für die Antibabypille schlucken Apotheker nicht selten, weil einige Hersteller diese Präparate mit eher medikamentfernen Namen schmücken, die um Lieblichkeit und Mädchenromantik kreisen. So klingen sie nach Lillifees Freundinnen oder den Mitgliedern eines Pocahontas-Fanclubs – nicht aber nach Namen für Verhütungsmittel mit ernst zu nehmenden Risiken und Nebenwirkungen.

Deshalb soll damit Schluss sein. Arzneimittelschützer haben eine neue Leitlinie zur Bezeichnung von Medikamenten herausgegeben, die Verbraucher davor bewahren soll, Arzneimittel zu verwechseln oder falsch anzuwenden. Denn die Pharmaindustrie setze zunehmend auch auf Marketingstrategien, um ihre Pillen an den Mann und die Frau zu bringen, erklärt ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Behörde ist zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Heraus­geber der Leitlinie zur Bezeichnung von Arzneimitteln.

Die neuen Regeln gelten seit März. Namenszusätze wie „super“ oder „express“ sollten demnach in Zukunft nicht mehr vorkommen. Anträge für solche Zusätze werden häufiger gestellt. Auch die Bezeichnung „fit“ für ein Mittel, das müde macht, ließ sich bisher finden, oder das Wort „Extrakt“ war optisch so aufbereitet, dass Verbraucher den Schriftzug auf den ersten Blick mit dem Wort „extra“ verwechseln konnten.

Im Visier der Behörde sind vor allem verschreibungsfreie Arzneimittel, bei denen Verbraucher entscheiden, was sie kaufen. Dazu gehören Mittel gegen Erkältungen und Magenprobleme. „Aber auch verschreibungspflichtige Medikamente werden berücksichtigt“, sagt ein Sprecher des BfArM.


Bewährtes nicht für Neues

Laut der Leitlinie sollen Hersteller zum Beispiel bereits auf der Verpackung deutlich machen, wie viel aktive Substanz das Arzneimittel aufweist. Denn bisher konnten sie beim Käufer den Anschein erwecken, dass die Pille mehr Wirkstoff enthält, als wirklich in ihr steckt. Es reichte aus, das Gesamt­gewicht der Wirkstoffverbindung anzugeben, das höher sein konnte als das Gewicht des aktiven Wirkstoffs selbst. Auch Altersangaben sollten jetzt eindeutig ausgewiesen werden.

Darüber hinaus sind die Möglichkeiten begrenzter, ein Medikament mit einem bewährten Markennamen zu versehen, wenn es nicht den Wirkstoff enthält, den Verbraucher mit diesem in Verbindung bringen. So ist es in Zukunft nicht mehr möglich, ein Nasenspray mit abschwellendem Wirkstoff unter demselben Namen zu vertreiben wie ein Spray desselben Herstellers, das über ein Antiallergikum wirkt oder Meersalz als Wirkstoff enthält. Mit den neuen Regeln sollen der Industrie von vornherein engere Grenzen gesetzt werden, innerhalb derer sie Arzneimittel benennen darf. Denn bisher war es im Nachhinein für das BfArM und das PEI ein Problem, sich vor Gericht gegen die Hersteller durchzusetzen.

Aber wird sich die Pharmaindustrie auch an die Leitlinie halten? Schließlich handelt es sich bei den Regeln um Empfehlungen, nicht um Gesetze. „Die Gerichte fällen aber auf Grundlage der Leitlinie ihre Urteile“, erklärt Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundes­­apothekerkammer. Sie sei eine Art vorgreifendes Gutachten. Kiefer ist sich sicher: „Kein Zulassungsinhaber kann daran vorbei.“

Die Regeln, die die oberste Zulassungsbehörde für Arzneimittel aufgestellt hat, haben also Gewicht. Auch die Pharmaindustrie scheint daran nicht zu zweifeln. „Leitlinien durch die Bundesoberbehörden werden quasi wie ein Gesetz angewendet“, urteilt Andreas Aumann, Pressereferent des Bundesverbands der Pharmazeuti­schen Industrie. Und das ist gut so, denn es geht ja um Mittel, die heilen sollen. Andreas Kiefer betont: „Die Menschen, die in Apotheken kommen, haben ein Problem, das sich durch Werbeversprechen nicht lösen lässt. Man muss sich ernsthaft um sie kümmern.“


Quelle: Apotheken Umschau, Diana Engelmann, 23.09.2013